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#schongewusst: Das verbirgt sich in der Tiefsee

Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, hoher Druck, ewige Dunkelheit – Konditionen, die allemal lebensfeindlich klingen und doch den größten Lebensraum unseres Planeten prägen: die Tiefsee! In diesem #schongewusst-Beitrag erfahren Sie, was sich dahinter verbirgt!

Die Wissenschaft dringt allerdings nur langsam in die Tiefen unserer Meere vor. Dort stößt sie auf riesige Unterwasserberge und hydrothermale Quellen, weiße und schwarze Raucher, die an Landschaften anderer Planeten erinnern, mysteriöse Lichtshows in Form von Biolumineszenz und eine unvorstellbare Vielfalt an bestimmten und unbestimmten Arten.

Dieser tiefe Bereich unserer Weltmeere ist noch immer so unerforscht, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei fast jedem Tauchgang neue Arten entdecken und mit jedem Mal unseren Planeten ein bisschen besser verstehen.

Die Dämmerlichtzone (Mesopelagial), also der Tiefenbereich zwischen 200 Metern und 1000 Metern, wird als Anfang der Tiefsee bezeichnet. Mit jedem Meter Wassertiefe wird es kälter und das Licht dringt weniger tief ein. Das hat zur Folge, dass auch immer weniger Pflanzen vorkommen. Die Umgebung erinnert hier zunehmend an die Mondoberfläche. Auf den ersten Blick mag diese Zone kühl und trist wirken, bei genauerer Betrachtung kann man jedoch atemberaubende Lichtshows beobachten. Dieser chemische Vorgang, bei dem Energie in Form von Licht freigesetzt wird, wird auch Biolumineszenz genannt und tritt bei Bakterien auf, die frei im Wasser leben oder eine Symbiose mit anderen Tieren eingehen. Die biologischen Funktionen sind dabei sehr vielseitig und dienen unter anderem der Kommunikation, der Nahrungssuche und dem Schutz vor Fressfeinden.

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Durch das zunehmend fehlende Licht gibt es ab dieser Zone kaum noch Algen, welche für die meisten Meeresbewohner die Nahrungsgrundlage bilden. Tiere, die hier leben, ernähren sich deshalb räuberisch, das heißt sobald die Nacht anbricht, machen sie sich auf in die produktivere Oberflächenschicht, um auf Beutejagd zu gehen. Eine weitere wichtige Ressource, dessen Relevanz vor allem mit fortschreitender Tiefe zunimmt, ist der Meeresschnee – weiße Flocken, die einen Partikelstrom bilden, der aus der Oberflächenschicht auf den Grund sinkt. Er besteht vor allem aus Ausscheidungen, toten Tier- und Pflanzenteilen sowie Krebsschalen und ist reich an organischen Substanzen, die für das Überleben der Tiefseebewohner von großer Bedeutung sind.

Geht man noch tiefer, erreicht man die Zone der ewigen Dunkelheit. Das Bathypelagial erstreckt sich über einen Abschnitt von 1000 Meter bis 5000 Meter Tiefe. In dieser Zone sind die Bedingungen so extrem, dass jegliche Form von Leben kaum vorstellbar ist. Auf der anderen Seite sind diese extremen Bedingungen so stabil, dass sich die Lebewesen im Laufe der Evolution angepasst haben und in einer Weise spezialisiert sind, wie kaum sonst irgendwo.

Durch die völlige Dunkelheit haben sich die Augen der dort lebenden Tiere zurückgebildet, denn in der Dunkelheit ist das Sehen nicht von Bedeutung für sie.

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Einige Raubfische haben dafür riesige Mäuler voller tödlicher Zähne, denn lebende Beute ist in diesen Tiefen eine Rarität. Deshalb ist es wichtig, dass sie beim ersten Angriff gleich richtig zupacken. Die meisten Lebewesen dieser nahrungsknappen Zone treiben dennoch bewegungslos durch das Wasser und nehmen nur passiv Nahrung auf, um Energie zu sparen. Sie müssen also in der Lage sein, lange Hungerperioden zu überdauern. Durch die extrem niedrigen Stoffwechselraten wachsen sie langsam und bleiben, bis auf einige Ausnahmen, sehr klein.

Die durchschnittliche Tiefe unserer Weltmeere liegt bei knapp 3700 Metern und somit kurz vor dem Abyssopelagial. Auf den Bodenzonen dieser Tiefe von 4000 Metern und tiefer findet man erstaunliche Gebirgszüge, hauptsächlich in Gebieten mit erhöhter vulkanischer Aktivität. Wasser tritt in den Untergrund, wird erhitzt und tritt dann mit bis zu 400° C und reich an Metallen sowie weiteren reduzierten chemischen Verbindungen wieder aus schornsteinartigen Schloten aus. Die feinen Partikel sorgen dafür, dass es aussieht als würden helle oder dunkle Wolken austreten. Darum werden sie auch schwarze oder weiße Raucher genannt. Sogar hier ist die Tiefsee dicht besiedelt von vielfältigen Lebewesen wie einige Bakterien, Würmer und Muscheln.

All das können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur mit hochentwickelten Technologien erforschen, die für sie die Augen, Ohren und Hände ersetzen, wie der ferngesteuerte Tiefsee-Tauchroboter Quest des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen (Marum). Er ist extra für schwere Handhabungen in Tiefen bis zu 4000 Metern konzipiert. Wie genau so ein Tauchgang des Tauchroboters Quest aussieht, kann man bei uns im Universum® im Themenbereich Natur der Dauerausstellung genauer betrachten.