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#schongewusst: So funktioniert die Mimikerkennung

Männlich oder weiblich? Alt oder jung? Glücklich oder verärgert? Unser Exponat „Mimik erkennen“ im Bereich Mensch der Dauerausstellung stellt nur anhand von Gesichtern das Geschlecht und Alter sowie den Gemütszustand unserer Gäste fest. Doch wie ist das möglich?

Dahinter steckt eine Software des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS). Für die Analyse nutzt das „SHORE-Gesichtserkennnung“ genannte Programm Konturen des Gesichts, Augen, Brauen und Nase. Diese werden mit einer Datenbank abgeglichen, in der sich bereits 30.000 Stimmungsmerkmale befinden, die in einer Trainingsphase vorab von dem Programm erlernt wurden. Es handelt sich also nicht um eine kontinuierlich lernende Maschine.

Ganz entscheidend für die Ergebnisse ist daher, mit welchen Beispielgesichtern das System trainiert wurde. Je größer die Vielfalt an den „Trainings-Gesichtern“, desto differenzierter arbeitet das Programm. Lernt die Software beispielsweise mit vielen Fotos von älteren Männern mit Bärten, wird es einem Gesicht mit Bart nicht nur das Geschlecht männlich, sondern auch ein höheres Alter zuschreiben. Übrigens: Der erkannte Gemütszustand kann auch das geschätzte Alter beeinflussen – mit einem Lächeln im Gesicht wird man häufig jünger eingestuft.

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Die Software selbst basiert auf dem Facial Action Coding System (FACS), das der Psychologe Paul Ekman in den 1970er Jahren entwickelte. Er geht von sieben Grundmimiken aus, die sich überall auf der Welt gleich in den Gesichter zeigen: Freude, Angst, Ekel, Überraschung, Wut, Trauer und Verachtung. Dies können unsere Besucher auch am Exponat „Gefühle deuten“ selbst ausprobieren.

Für die Gesichtserkennung gibt es in der Praxis zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Sie kann Robotern zum Beispiel helfen, die Gefühlslage von Menschen zu deuten oder Rückmeldungen im Auto bezüglich des Müdigkeitsgrads des Fahrers geben. Auch für die Werbewirtschaft ist das Konzept interessant – beispielsweise können Kameras an großen Werbeplakaten angebracht werden, die dann zusammen mit der Software statistisch auswerten, welche Personen wie darauf reagieren.