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Corona-Pandemie: Nachgefragt bei Professor Dr. Dieter Ukena

Haben Sie dieses Jahr schon „Lungenkrankheit“ gegoogelt? Das Interesse an diesem Begriff war in den vergangenen fünf Jahren laut Google Trends noch nie so hoch wie in der vorletzten Januarwoche. Auch bei uns sind mit der Ausbreitung des Coronavirus neue Fragen hinsichtlich der Lungengesundheit aufgekommen. Professor Dr. Dieter Ukena, Mitinitiator der Bremer Lungenstiftung, Universitätsprofessor und Chefarzt des Lungenkrebszentrums des Klinikums Bremen-Ost, hat sich die Zeit genommen, um diese zu beantworten.


Herr Professor Ukena, inwieweit beeinflusst die Corona-Pandemie Ihre Arbeit als Stiftung? 

Seit Februar 2020 steht die klinische Versorgung von Covid-19-Patienten ganz im Vordergrund unserer täglichen Arbeit. Dazu gehörte auch die Vorbereitung der klinischen Versorgung eines sogenannten Massenandranges schwerstkranker Covid-19-Patienten. Damit rückte die Arbeit für die Lungenstiftung in den Hintergrund. Wir bemühen uns, über die Website der Stiftung Links zu kompetenten und seriösen Informationsquellen anzubieten. Des Weiteren sind eine ganze Reihe engagierter Menschen dabei, in Heimarbeit Mund-Nasenschutze herzustellen, um sie für eine kleine Spende an die Lungenstiftung interessierten Menschen zu vermitteln.


Warum zählen Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen zur Risikogruppe bei dem Coronavirus? 

Im Vordergrund von Covid-19 steht eine Lungenentzündung (Pneumonie). Bei einer bereits vorgeschädigten Lunge, wie z. B. COPD oder Asthma, kann eine zusätzliche virale Lungenentzündung wie mit SARS-CoV-2 dazu führen, dass die Sauerstoffaufnahme in der Lunge kritisch vermindert wird. Anders ausgedrückt: Die Reserven des Menschen sind bei einer vorgeschädigten Lunge geringer.


Welche Reaktion ruft das Virus bei einer Infektion in der Lunge hervor? 

Es wird durch die Viren eine derartige Schädigung von Lungenzellen induziert, dass eine Lungenentzündung entsteht, welche die Sauerstoffaufnahme erschwert beziehungsweise kritisch vermindert. Durch den niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut des Menschen wird die Funktion anderer lebenswichtiger Organe, wie Herz oder Hirn, beeinträchtigt. Bei einer schweren Lungenentzündung ist dann eine mechanische Beatmung notwendig.


Was ist über mögliche gesundheitliche Spätfolgen nach einer Erkrankung bekannt?

Aktuell ist naturgemäß noch wenig über die Spätfolgen bekannt. Als Folge einer Langzeitbeatmung können bleibende Lungenschäden hervorgerufen werden, wie die sogenannte Lungenfibrose (narbige Veränderungen in der Lunge).


Welche Präventivmaßnahmen können Sie mit Blick auf das Coronavirus empfehlen?

Die Einhaltung der empfohlenen Schutzmaßnahmen ist aktuell „oberste Bürgerpflicht“. Das erfordert Disziplin von jedem einzelnen Menschen.


Wie tauschen Sie sich derzeit mit anderen Medizinerinnen und Medizinern aus? 

Neben den klinikinternen Lagebesprechungen ist ja der digitale Austausch auch in der Gemeinde der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unbegrenzt. Informationsdefizite gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr.


Was wünschen Sie sich für eine Unterstützung in der jetzigen Zeit – von der Politik und von der Gesellschaft?

Von den politischen Entscheidungsträgern wünsche ich mir die persönliche Kraft, auch unpopuläre Maßnahmen, welche aktuell möglicherweise die Gestaltungsmöglichkeiten eines jeden Menschen im täglichen Leben beeinflussen, durchzusetzen und aufrechtzuerhalten. Von unserer Gesellschaft: Disziplin im täglichen Leben und Verständnis für die besonderen Bedürfnisse und Schutzmaßnahmen der gesundheitlich beeinträchtigten Menschen.

 

Zur Person:

Professor Dr. Dieter Ukena, Chefarzt und medizinischer Leiter des Bremer Zentrums für Lungenmedizin, ist ein international renommierter Mediziner und ausgewiesener Spezialist der Pneumologie. Der gebürtige Emder gilt über die Grenzen Deutschlands hinaus als außerordentlich kompetenter Gelehrter der Pneumologie.

Das Kurzinterview hat Mitte April 2020 stattgefunden.

Bereits im Frühjahr 2019 haben wir gemeinsam mit der AOK Bremen/Bremerhaven und der Lungenstiftung Bremen das Thema Lungengesundheit ausführlich unter die Lupe genommen. Demnächst bieten wir für Schulklassen eine eigene Lungen-Forscherzeit an. Bleiben Sie neugierig!